Einzugsfest Kreuzgasse 8

Das Evangelische Gemeinschaftswerk EGW Kerzers ist in die neue Kreuzgasse 8 eingezogen

Nach 114 Jahren ist am 2. September das Evangelische Gemeinschaftswerk EGW Kerzers vom alten Gebäude am Kriegergässli in einem feierlichen Gottesdienst in die neue Kreuzgasse 8 eingezogen. Über 180 Mitglieder, Freunde und Gäste fanden im Festgottesdienst im neuen Gebäude problemlos Platz, 150 Personen wurden aus der Gastroküche verpflegt. Der Einzug schliesst eine 20-jährige Planungs- und Bauphase der Kirche ab, die sich als Erneuerungsbewegung innerhalb der Reformierten Kirche sieht.

Die letzten Handwerker haben ihren Auftrag erledigt oder tun es diese Tage. Mitglieder und Freunde des Evangelischen Gemeinschaftswerks EGW sind fleissig an der Arbeit. Seit August ist im neuen Gebäude Putzen und Einrichten angesagt, auch die Umgebung wird in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit gestaltet. Bereits wurden 2‘500 Arbeitsstunden insgesamt in Eigenleistung erbracht.

Beim Einzugsgottesdienst am 2. September verlieh der Posaunenchor Müntschemier dem ersten Anlass im neuen Gebäude einen festlichen Rahmen. Nach dem Salzkuchenessen am Tag der offenen Tür Ende Juni war dies das zweite Mal, dass das ganze Haus „Kreuzgasse 8“ mit Leben gefüllt wurde.

Mit der Kreuzgasse 8 will das Evangelische Gemeinschaftswerk einen Gegenpol setzen zu Stress und Hektik im Alltag. Das neue Gebäude bietet Raum zum gemeinsam Essen, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken und zum Feste feiern. Sitzungen und Seminarangebote finden ebenso Platz wie ein Raum der Stille als Wellnessort für die Seele. Angebote wie Finanzberatung, Lebensberatung und Kinderbetreuung sind angedacht und könnten später entstehen.

An ein bis zwei Sonntagen pro Monat wird das EGW nun hier ab 10 Uhr Gottesdienst feiern und der KIDS TREFF wird sich jeden 1. bis 3. Sonntag um 9:45 Uhr treffen. Freitagabends am vierten Wochenende findet jeweils ein „Fiir-Abe“ statt zur Ermutigung, zum Danken und um Gott zu begegnen. Es sind alle herzlich willkommen mitzufeiern. Die genauen Daten und Zeiten finden sich im Kirchenzettel des Anzeigers. Für Fragen steht der Pfarrer EGW, Rolf Bolliger, gerne zur Verfügung.

Das attraktive mit neuster Technik ausgestattete Gebäude im Bauernhausstil steht aber insbesondere auch der Bevölkerung offen für eigene Anlässe in grösserem und kleinerem Rahmen. Anfragen nimmt Peter Pfister entgegen (Tel. 076 488 82 08 oder E-Mail info [at] kreuzgasse8.ch).

Vom Kriegergässli …

Seit mehr als 100 Jahren ist das EGW in Kerzers zuhause. Zu einer Zeit, als das Bauland zu einem Preis von 80 Rappen pro Quadratfuss und die Löhne mit 20 Rappen pro Stunde entgolten wurden, hat der erste Evangelist (wie die Pfarrer der „Evangelischen Gesellschaft“ damals genannt wurden) mit ein paar Mitstreitern das Haus am Kriegergässli gebaut. Das Evangelische Gemeinschaftswerk EGW ist eine eigenständige Erneuerungsbewegung in der Reformierten Berner Kirche. 1996 entstand das Werk aus dem Zusammenschluss der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern und des Verbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften des Kantons Bern. Die regionalen Standorte werden „Bezirke“ genannt. Seit 1904 hat das Haus am Kriegergässli in Kerzers seinen Dienst dem „EGW Bezirk Kerzers“ erwiesen als Gottesdienstort und als Treffpunkt für Frauenabende, Chorproben, Kinderwochen, Jungschar und vieles mehr. Dazu wurde es mehrmals den Bedürfnissen angepasst und renoviert.

Kurz vor einer geplanten grösseren Renovation 1998 wurde ein Grundstück mit einem baufälligen Bauernhaus und Stöckli beim Entenweiher, an der Kreuzgasse 8 in Kerzers, zur konkursamtlichen Versteigerung ausgeschrieben. Eine ausserordentliche Mitgliederversammlung beschloss, bei der Steigerung mitzubieten. Am 28. Januar 2000 konnte der EGW Bezirk Kerzers das Grundstück ersteigern, insbesondere darum, weil sich gewerblich Mitbietende zugunsten des EGWs zurückzogen.

Im Jahr 2003 wurde eine Bauvoranfrage für ein modernes Projekt gestellt, die positiv beantwortet wurde. Im 2009 wurde das Baugesuch eingereicht. Dieses wurde jedoch überraschend abgelehnt, weil es nicht den Zonen- und Ortsbildvorgaben entsprach. In den folgenden Verhandlungen konnte kein Kompromiss gefunden werden. Die Begründung lautete: Bei der Bauvoranfrage hat das kantonale Amt für Kulturgüter den Projektstandort Kreuzgasse mit dem Kreuzberg verwechselt. Das Baugrundstück in der Dorfkernzone lässt wenig Gestaltungsfreiraum zu. Wegen des Ortsbildschutzes muss das Gebäude äusserlich wie ein Bauernhaus aussehen und sich in die Umgebung einfügen. Das vorliegende Projekt konnte nicht an die Vorschriften angepasst werden und die Planungskosten von über 100‘000 Franken mussten abgeschrieben werden.

… an die Kreuzgasse 8

2013 wurde eine neue Bauvoranfrage von der Gemeinde Kerzers, sowie den 9 beteiligten Ämtern zwar positiv beurteilt, aber ohne die Zonenkonformität garantieren zu können, da es für kirchliche Bauten keine passende Zone gibt. So wurde das neue Bauprojekt mit einer grosszügigen Gebäudehülle, bewusst mit minimalem Planungsaufwand, zur Baueingabe ausgearbeitet und Mitte 2015 eingereicht und ausgeschrieben.

Die einzige eingegangene Einsprache betreffend eines Fussweges wurde zurückgezogen. Die Zonenkonformität wurde nicht beanstandet. Am 12. Mai 2016 erhielt das Evangelische Gemeinschaftswerk Kerzers für alle unerwartet die Baubewilligung vom Oberamtmann des Seebezirkes. Nach über 16 Jahren unter dem Damoklesschwert von Ortsbildschutzperimeter, Zonenkonformität und Ortsplanungsrevision hielt die überraschte Bauherrschaft die Baubewilligung wie ein Wunder schwarz auf weiss in Händen und konnte mit der gewonnenen Sicherheit die Detailplanung in Angriff nehmen.

Die Bezirkspräsidentin Regula Rohrer fasst am Einzugsfest ihre Dankbarkeit in Worte, wenn sie sagt: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, einen solchen Bau ohne grössere Zwischenfälle zu vollbringen. Wir sind Gott dankbar für den unfallfreien Verlauf und das gute Gelingen. Nebst den engagierten Handwerkern aus der Region und den Mitarbeitern vom Architekturbüro Atelier Marti in Unterseen bei Interlaken, verdanken wir das ebenso der hochmotivierten Baukommission und deren Präsidenten Ernst Streit.“

Nach dieser langen Geschichte von Planung und Bau der Kreuzgasse 8 freuen sich die Mitglieder und Freunde des Evangelischen Gemeinschaftswerks umso mehr, mit diesem Gebäude etwas Neues zum vielfältigen Gesellschaftsleben in Kerzers beizutragen.

 

Am Wochenende vom 5. bis 7. April 2019 wird ein öffentliches Fest zum Abschluss des Bauprojekts Kreuzgsse 8 stattfinden mit einem offiziellen Festakt, Konzerten und Programm für Jung und Alt. Dazu – wie auch jederzeit zu allen anderen Anlässen des EGWs – sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

 

Die Kreuzgasse 8

Erdgeschoss: Im Erdgeschoss befinden sich Mehrzweckräume, eine offene Jugendecke, ein Kinderhüteraum, Cafeteria, sowie Küche und Technikraum. Im Querbau (der einer Einfahrt in die Tenne nachempfunden ist) ist das Treppenhaus mit Hublift und einer zentrale WC-Anlage eingerichtet.

Obergeschoss: 170 m2 grosser Saal mit lockerer Bestuhlung für 128 Personen. Vorraum als Erweiterung des Saales oder zur vielseitigen Nutzung. Ein spezielles Augenmerk wurde auf die gute Akustik aller Räume und insbesondere des Saals gelegt. Im Querbau Haupteingang mit Windfang, Treppenhaus mit Hublift und Büro des Pfarrers EGW.

Dachgeschoss: Unausgebauter Dachgeschossraum für Dauermieter oder evtl. spätere sozialdiakonische Tätigkeiten. Im Querbau ist ein Raum der Stille zu finden.